Biodiversität messbar machen

Ökologische Qualität wird in Projekten häufig versprochen, nachvollziehbar bewertet wird sie selten. Mit dem Biodiversitätsbooster haben wir ein Bewertungsschema entwickelt, das Daten aus dem Planungsmodell mit strukturierten fachlichen Prüfungen verbindet.

Im Werkraum Zukunft beschäftigt uns eine Frage aus dem Projektalltag: Wie lässt sich die ökologische Qualität eines Freiraums zwischen Entwurfsvarianten vergleichen? Gestaltungsentscheide werden regelmässig mit ökologischem Nutzen begründet. Oft bleibt jedoch offen, an welchen Kriterien sich dieser Nutzen festmacht. Der Biodiversitätsbooster übersetzt ökologische Ziele deshalb in überprüfbare Kriterien. Fünf Hauptkriterien bilden das Gerüst: Fläche, Bepflanzung und Ansaat, Qualität, Lebensraum und Pflege. Die erste Fassung entstand 2022, seither haben wir das Schema laufend weiterentwickelt.

Rund die Hälfte liefert das Modell

Etwa fünfzig Prozent der Bewertung lassen sich automatisiert aus dem Planungsmodell ableiten: Flächenanteile, Artenzahlen, der Anteil einheimischer Pflanzen oder Angaben zu Standortbedingungen. Was strukturiert hinterlegt ist, fliesst direkt in die Auswertung. 

Die Voraussetzung dafür ist Datendisziplin. Die Bewertung ist nur so verlässlich wie die Angaben im Modell. Der entscheidende Aufwand liegt deshalb vor der Auswertung: Informationen müssen früh erfasst, eindeutig zugeordnet und konsequent gepflegt werden.

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Die andere Hälfte läuft geführt

Die übrige Bewertung erfolgt halbautomatisch über zwei Wege. Zum einen werden mögliche Barrieren und Fallen – etwa Geländer oder Schächte – im Modell farblich hervorgehoben. Eine Fachperson für Ökologie prüft diese Hinweise und ergänzt die Beurteilung. Zum anderen führen strukturierte, überwiegend mit Ja oder Nein beantwortbare Fragen durch die Bewertung: Ist eine bestimmte Struktur vorhanden? Ist ein Durchgang gewährleistet? Ist eine Massnahme im Pflegekonzept verankert?

Das Fachwissen steckt dabei bereits in der Auswahl der Kriterien und in der Formulierung der Fragen. Je eindeutiger diese gefasst sind, desto weniger hängt das Ergebnis vom individuellen Ermessen ab. Jede Punktevergabe lässt sich auf eine konkrete Grundlage zurückführen, überprüfen und diskutieren.

Entscheidend ist der Vergleich

Der grösste Effekt liegt in der Geschwindigkeit: Eine Bewertung dauert heute rund eine halbe bis eine Stunde statt eines ganzen Arbeitstages. Damit wird aus einer einmaligen Beurteilung ein Werkzeug für den Entwurf. Die Auswertung zeigt die fünf Hauptkriterien als Netzdiagramme und legt den Projektwert über den Ausgangszustand – so wird auf einen Blick sichtbar, wo eine Variante zulegt und wo sie zurückbleibt.

An einem Wohnbauprojekt mit drei Neubauten in Zürich lässt sich der Verlauf nachvollziehen: Der Bestand erreicht 1.68 Punkte. Die erste Entwurfsvariante kommt auf 2.68, die zweite auf 3.16. Zwischen den Varianten lagen jeweils eine Besprechung und gezielte Anpassungen. Sichtbar wird so nicht nur das Ergebnis, sondern der Weg dorthin – und damit eine konkrete Grundlage für Gespräche mit Auftraggebenden und Behörden.

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Ökologische Ziele werden Teil der Planung

Die wichtigste Erkenntnis aus vier Jahren Entwicklung betrifft die Arbeitsweise: Ein Bewertungsschema verlangt, ökologische Ziele früh zu benennen, im Modell zu verankern und in beantwortbare Fragen zu übersetzen.

Der Biodiversitätsbooster macht diese Ziele im Planungsprozess sichtbar. Er zeigt, wo ein Entwurf sie bereits erfüllt – und wo wir weiterarbeiten müssen. Als nächsten Schritt prüfen wir, die Bewertung an einen anerkannten Nachhaltigkeitsstandard anzubinden. Damit würde aus der bürointernen Grösse ein Wert, der auch ausserhalb unserer Projekte anschlussfähig ist.

Damit steht der Booster beispielhaft für das, was wir im Innovationsfeld Technologien & Tools verfolgen: Werkzeuge, die Prozesse vereinfachen und die Qualität unserer Arbeit überprüfbar machen.